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« eine Seite zurückhopsen Efraim Langstrumpf ... ein wahrer König© Süddeutsche Zeitung / 03. September 2002![]()
Am Dienstag ... späääät am
Nachmittag bekam ich eine eMail von H-O, einem treuen
Pippi-Langstrumpf-Artikel-Finder, der mir schrieb, dass es in der
"Süddeutschen Zeitung" einen Artikel über Pippis "wahren" Vater gibt ...
jaaaaaa - und da bin ich natürlich direkt losgeflitzt zum nächsten
Zeitungs-Kiosk und habe mir dort noch ganz schnell die allerallerletzte
Süddeutsche Zeitung des Tages schnappen können - hapuuuhh :-))) ... Und
weil bestimmt viele von Euch gar nicht erst so eine nette eMail mit einem
so netten Hinweis bekommen haben, tippe ich nun mal ganz schnell den
Zeitungsartikel hierher, damit diese tolle Information nicht so schnell
wieder verloren gehen kann :-))) Für ihre Kinderbuchfigur hatte Astrid Lindgren ein reales Vorbild: einen Schweden, der sehr starker Herrscher einer fernen Insel war
Die Mutter war gestorben, als Pippi noch in der Wiege lag. Pippi glaubte, dass die Mutter im Himmel wohnte und durch ein kleines Loch auf ihr Kind hinunter schaut, und Pippi winkte oft zu ihr hinauf und sagte: "Hab keine Angst um mich! Ich komme schon zurecht." Der Vater lebte noch. Kapitän Efraim Langstrumpf segelte über die großen Meere. Außerdem war er König von Taka-Tuka-Land und wahnsinnig dick - und unermesslich reich. Er schenkte Pippi eine Schatztruhe mit vielen Goldmünzen. Den Schatz gab es wirklich. Und den König mit seiner Insel auch. Der schwedische Autor Joakim Langer hat herausgefunden, dass ein Mann namens Carl Pettersson "Efraim Langstrumpf" gewesen ist - Astrid Lindgren hatte ihn als Vorlage für ihre Kinderbuchfigur gewählt. Langer reiste in die Südsee und sprach mit Petterssons Enkelkindern. Am Mittwoch stellt er in Stockholm zwei Bücher vor. Eines kann man jetzt schon sagen: Die Geschichte des Carl Pettersson ist fast so unglaublich wie die Geschichte der Pippilotta Viktualia Rollgardina Efraimstochter Langstrumpf. Carl Pettersson wurde 1876 in Sollentuna bei Stockholm geboren. 1887 riss er von zuhause aus und heuerte als Schiffsjunge an. Irgendwann landete er im Bismarck-Archipel, das zwischen 1884 und 1918 so genanntes deutsches Schutzgebiet gewesen ist. Man kann auch sagen, dass dort viele Deutsche lebten, die viel Handel trieben und manchmal wenig Rücksicht auf die Ureinwohner nahmen. Carl Pettersson arbeitete für ein deutsches Unternehmen, das Kopra - das Kernfleisch der Kokosnuss - exportierte. 1904 erlitt Pettersson Schiffbruch, und das Meer trieb ihn auf die Insel Tabar. Bei Astrid Lindgren heißt sie Taka-Tuka-Land. Als Pippi und Tommi und Annika den alten Efraim in Taka-Tuka-Land besuchen, zeigt er ihnen einen Gedenkstein, den die Taka-Tuka-Bewohner errichtet hatten. Auf dem Stein war in Taka-Tuka-Sprache eingeritzt: "Über das große, weite Meer kam unser dicker, weißer Häuptling. Hier ist die Stelle, wo er angespült wurde. Möge er immer so dick und prächtig bleiben, wie er damals war, als er angekommen ist."
Carl Pettersson wurde von den Einheimischen auf Tabar freundlich empfangen - obwohl sie angeblich Kannibalen gewesen sind. Er heiratete die Häuptlingstochter Sindu und bekam acht Kinder. Alle trugen europäische Namen wie Max, Hans, Elsa, Anna oder Wilhelm. Als Sindus Vater starb, wurde der Schwiegersohn, Carl Pettersson, König von Tabar. Er soll ein netter Herrscher gewesen sein. Pettersson, der mit Kopra handelte, zahlte seinen Arbeitern gute Löhne. Außerdem brachte er die Menschen auf Tabar dazu, die Stammesfeindlichkeiten zu begraben. Irgendwann wurde auf seiner Insel Gold gefunden. Er hatte also einen Schatz - wie Efraim Langstrumpf. Und er war so stark wie Pippis Papa. "Einmal", erzählt Joakim Langer, "kam ein englischer Flottenverband auf seine Insel. Als ein Engländer seiner Frau zu nahe kam, hob ihn Pettersson mit einer Hand hoch und warf ihn ins Gebüsch." Die Leute nannten ihn "the strong Charly". Carl Pettersson starb 1937 an einem Herzinfarkt. Seine Geschichte erschien damals in den schwedischen Zeitungen. Astrid Lindgren muss sie gelesen haben, aber sie hat nie öffentlich gesagt, dass Carl Pettersson das Vorbild für Efraim Langstrumpf gewesen ist. Deshalb bat Joakim Langer vor einiger Zeit eine enge Freundin Lindgrens, sie zu fragen. Die Kinderbuchautorin, die im Januar gestorben ist, war schon sehr krank. Sie konnte nicht mehr reden. Aber als sie nach Carl Pettersson gefragt wurde, lächelte Astrid Lindgren - und nickte. :-))
© Süddeutsche Zeitung / 03. September 2002 Die Zeichnung von Pippi Langstrumpf und Papa Efraim oben auf dieser Seite stammt aus dem dicken Pippi Langstrumpf Buch (Gesamtausgabe) vom Oetinger Verlag und gezeichnet hat sie Rolf Rettich.
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