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© Süddeutsche Zeitung, Magazin vom 06. Juli 2001
Ein Interview von Anita Blasberg und Johannes Waechter


Tommi (Pär Sundberg) und Annika (Maria Persson)
Tommi (Pär Sundberg)
& Annika (Maria Persson)
Foto
von Gunnar Knechtel

Pippi war sehr schüchtern und manchmal hat sie uns sogar verpetzt ...

Es ist das erste Wiedersehen nach fast 25 Jahren. Tommi und Annika erinnern sich an ihre aufregende Kindheit mit Pippi Langstrumpf.

Pär Sundberg, Inger Nilsson
und Maria Persson,
in dieser Besetzung wurden
zwischen 1968 und 1970 vier Pippi-Langstrumpf-Filme gedreht.

Pär Sundberg und Maria Persson ....
Maria Persson ( 42 )
lebt heute in
Palma de Mallorca und
arbeitet als Altenpflegerin

Pär Sundberg ( 43 )
ist Manager in Malmö

Foto von Gunnar Knechtel

 

SZ-Magazin:
Es muss ziemlich lange her sein, dass Sie sich zum letzten Mal gesehen haben, oder?

Maria Persson:
Das war ungefähr 1977. Ich besuchte damals in Malmö die Schauspielschule.

SZ-Magazin:
Und seitdem hatten Sie überhaupt keinen Kontakt mehr?

Pär Sundberg:
Nein. Ich wusste nicht, wie ich Maria hätte erreichen sollen, sie war von der Bildfläche verschwunden. Gelegentlich haben mich Reporter nach ihrer Nummer gefragt, da konnte ich nur mit den Schultern zucken. Nie hätte ich geahnt, dass du dich all die Jahre auf Mallorca versteckt hast! Warum bist du eigentlich hier runtergezogen?

Maria Persson:
Natürlich wegen eines Mannes. 1980 habe ich in Stockholm einen Spanier kennen gelernt, und als der zurück in seine Heimat gegangen ist, bin ich mitgekommen.

Pär Sundberg:
Seid ihr noch zusammen?

Maria Persson:
Nein, nein, schon lange nicht mehr. Mit einem anderen Mann, dem Vater von meinem Sohn Oskar, habe ich später eine Bar in Palma aufgemacht.

Pär Sundberg:
Und was machst Du heute?

Maria Persson:
Wir haben uns getrennt, mussten die Bar verkaufen und ich wusste nicht, wie es weitergehen soll. Also habe ich einen Job als Altenpflegerin angenommen - in Schweden hatte ich schließlich mal eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht.

SZ-Magazin:
Als was arbeiten Sie denn, Herr Sundberg?

Pär Sundberg:
Ich leite eine Instore-Marketing-Firma in Malmö, wir organisieren Promotion-Aktionen in Kaufhäusern und Supermärkten.

SZ-Magazin:
Keiner von Ihnen ist Schauspieler geworden. Warum nicht?

Pär Sundberg:
Ich wollte das nie, hatte auch nicht genug Talent. Außerdem war ich schon mit 13 ausgebrannt.

Maria Persson:
Dass es bei mir nicht geklappt hat, hängt wohl damit zusammen, dass ich zu bekannt in meiner Rolle als Annika war. Keinem von uns ist es gelungen, diese Prominenz abzuschütteln. Auch Inger Nilsson nicht, die damals die Pippi gespielt hat.

Pär Sundberg:
Stimmt. Im Gegensatz zu uns ist Inger Schauspielerin geworden, doch es ist sehr schwer für sie, Rollen zu bekommen. Für die meisten Leute wird sie immer die Pippi bleiben - sie hat schließlich noch das gleiche Gesicht wie früher. Das muss so frustrierend sein: Du stehst auf der Bühne und spielst ein Stück von Shakespeare, und hinterher fragen dich die Reporter, was damals in der Villa Kunterbunt los war.

SZ-Magazin:
Aber es ist doch auch ein Kompliment, dass sich so viele Menschen an die alten Filme erinnern. Sie drei waren nun mal sehr gut als Pippi, Tommi und Annika ...

Pär Sundberg:
Vielen Dank. Aber ich war auf jeden Fall der Schlechteste. Ich war total steif, habe mich unwohl gefühlt vor der Kamera.

Maria Persson:
Nein, nein. Das stimmt überhaupt nicht.

Pär Sundberg:
Doch, ich war nie ein guter Schauspieler. Ich bin ja auch als Letzter zum Team gekommen. Ich war die Notlösung.

SZ-Magazin:
Wie ging das damals vor sich? Haben sich viele Kinder für die Rollen beworben?

Maria Persson:
Oh, das war eine Riesensache in Schweden. An meiner Schule wurde eine Zeit lang über nichts anderes geredet - jedes Mädchen wollte natürlich die Pippi sein. Für diese Rolle hat die Filmfirma letzten Endes über 8.000 Bewerberinnen gecastet. Ich selber habe mich auch zuerst als Pippi beworben. Aber dann haben sie Inger gefunden und es war klar, dass es keine bessere Pippi geben kann. 

Pär Sundberg:
Ich bin nur durch Zufall entdeckt worden, weil ich im Theater Ballett getanzt habe. Nachdem sie viele Tommis gecastet und nicht den Richtigen gefunden hatten, haben sie schließlich mich genommen. Nicht weil ich so gut war, sondern weil ich das Team ganz gut ergänzte.

SZ-Magazin:
Ist Ihnen das Schauspielern schwer gefallen?

Maria Persson:
Überhaupt nicht.

Pär Sundberg:
Maria liebte das Scheinwerferlicht, sie wollte gesehen werden.

Maria Persson:
Gerade am Anfang war es sogar sehr einfach. Wir hatten keinen Schauspielunterricht, auch kein Sprechtraining oder dergleichen, wir haben einfach drauflosgespielt. Alles war neu und aufregend und hat großen Spaß gemacht.

Pär Sundberg:
Nur dieser Affe hat genervt. Herr Nilsson musste uns auf der Schulter festgebunden werden, weil er sonst abgehauen wäre. Das hat ihm natürlich nicht gepasst, deshalb hat er uns gelegentlich geschlagen oder an den Haaren gezogen. Und leider hat er nicht Bescheid gesagt, wenn er mal musste.

SZ-Magazin:
Mit dem Pferd Kleiner Onkel gab es bestimmt keine Probleme. Das sieht so sanft aus ...

Pär Sundberg:
Ja, das ist schließlich auch mit Beruhigungsmitteln behandelt worden.

SZ-Magazin:
Haben der zweite und dritte Film noch genauso viel Spaß gemacht wie der erste?

Maria Persson:
Als wir älter wurden, mit elf oder zwölf, wurde es immer schwieriger, diese Natürlichkeit beizubehalten.

Pär Sundberg:
Wissen Sie, wir hatten fast keine Privatsphäre. Ständig standen wir im Mittelpunkt, mussten lächeln, hatten tausend Leute um uns herum. Und überall, wo wir hinkamen, waren die Medien schon da - wir waren wie ein reisender Zoo.

Maria Persson:
Das stimmt, aber im Großen und Ganzen hatten wir eine tolle Zeit. Allein, dass wir nicht zur Schule gehen mussten.

SZ-Magazin:
Das klingt ja toll!!

Pär Sundberg:
Moment mal. Während der Dreharbeiten hatten wir eine Gouvernante, die zugleich unsere Lehrerin war. Gunilla hat schon darauf geachtet, dass wir genug lernen. In den Drehpausen mussten wir Schulbücher lesen, abgefragt hat sie uns, während sich irgendjemand ums Make-up kümmerte.

SZ-Magazin:
Aber Sie hatten trotzdem mehr Freiheiten als normale Kinder.

Pär Sundberg:
An den Wochenenden kam ich nach Hause, mit Flugzeug und Taxi. Meine Eltern sagten: "Wir essen jetzt", und ich erwiderte: "Nein, ich gehe lieber ins Restaurant." Da war ich gerade zehn Jahre alt. An diesen Wochenenden hatte ich nicht wirklich das Gefühl, zu meiner Familie zu kommen. Maria war mir näher als mein eigener Bruder, unser Verhältnis war sehr eng.

SZ-Magazin:
Das zu Inger Nilsson nicht?

Maria Persson:
Pär und ich hatten ein engeres Verhältnis. Vielleicht, weil wir im Film Geschwister waren. Inger stand ein bißchen abseits.

Pär Sundberg:
Maria und ich kamen aus Stockholm und Malmö, Inger dagegen aus der Provinz. Sie war sehr unsicher und schüchtern.

SZ-Magazin:
Tatsächlich? Im Film, als Pippi, wirkte sie doch wahnsinnig selbstbewußt!

Pär Sundberg:
Inger war im Film die Erwachsene. Wir waren die Erwachsenen im richtigen Leben. Im Vergleich zu uns war sie wirklich sehr brav. Während Maria und ich uns freuten, nicht zu Hause sein zu müssen ...

Maria Persson:
... hatte Inger immer großes Heimweh und rief häufig ihre Eltern an. Manchmal hat sie uns sogar verpetzt, das war nicht so nett. Und auf dem Set hatte sie regelmäßig Nervenzusammenbrüche: Wenn ihr etwas nicht passte oder wenn sie unsicher war, fing sie zu weinen an und versteckte sich in irgendeiner Ecke. Jemand musste sie trösten, bevor wir weiterarbeiten konnten.

Pär Sundberg:
Uns hat die Filmcrew ganz anders behandelt. Maria und ich hatten viele Freiheiten und wir haben sie auch genutzt.

SZ-Magazin:
Wozu?

Maria Persson:
Pär und ich hatten eine Zeit lang zum Beispiel die Angewohnheit, morgens um fünf durch Stockholm zu laufen.

Pär Sundberg:
Wir fanden das Leben der Erwachsenen eben sehr interessant und spionierten ihnen manchmal nach. Erinnerst du dich noch an die Zeit auf Barbados?

Maria Persson:
Na klar!

SZ-Magazin:
Dort haben Sie bestimmt Pippi in Taka-Tuka-Land gedreht.

Pär Sundberg:
Ja, und wir hatten eine verrückte Zeit. Wir durften Wein trinken und waren die meiste Zeit uns selbst überlassen, denn das gesamte Team feierte praktisch rund um die Uhr. Als Kinder haben wir wahrscheinlich noch nicht mal die Hälfte von dem mitbekommen, was wirklich abgegangen ist. Aber das, war wir gesehen haben, war schon interessant genug.

SZ-Magazin:
Wovon sprechen Sie?

(... Pär und Maria unterhalten sich eine Weile kichernd auf Schwedisch ....)

Maria Persson:
Das verraten wir lieber nicht.

Pär Sundberg:
Mein Vater wäre bestimmt ziemlich sauer. Der war nämlich auch mit auf Barbados.

SZ-Magazin:
Sie beide haben also auf den Putz gehauen und Inger saß im Hotel und hat geschmollt.

Pär Sundberg:
Für sie war es nicht schön, von unseren Aktionen ausgeschlossen zu sein. Manchmal kam es zum Streit - ziemlich übel, weil wir ja ein Team waren und am Montagmorgen wieder vor der Kamera harmonieren mussten. Es spricht für Ingers schauspielerische Leistung, finde ich, dass sie als Pippi trotz mancher Reibereien immer herausragend war.

Maria Persson:
Ja, sie war sehr gut.

Pär Sundberg:
Du warst genauso gut! Du hattest eindeutig den schwierigeren Job als ich. Tommi war lebendig und draufgängerisch - das ist nicht schwer zu spielen. Doch auf natürliche Art schüchtern zu wirken, so wie du, das ist sehr schwer.

SZ-Magazin:
Haben Sie sich manchmal gewünscht, so aufzuwachsen wie all die anderen Kinder?

Pär Sundberg:
Das nicht, aber die Filmerei hatte natürlich auch negative Seiten. Ich hatte Probleme, mich wieder ins normale Familienleben einzufügen, als ich nach Hause kam. Ich war 13, fühlte mich aber viel älter.

Maria Persson:
Wenn du ein Teenager bist, möchtest du genauso sein wie alle anderen. Es ist total unangenehm, ständig angegafft zu werden. Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt, die wir gemacht haben, in ein Dorf, ewig weit von Stockholm entfernt. Die Lokaljournalisten hatten Wind davon bekommen, dass ich zu Besuch komme, und haben mich schon mit gezückter Kamera erwartet. Furchtbar war das! Wir konnten unserer Bekanntheit nicht entfliehen.

SZ-Magazin:
Sie waren damals richtige Stars.

Pär Sundberg:
Das kann man wohl sagen. In Schweden kannte fast jeder unsere Gesichter und auch in vielen anderen Ländern waren wir berühmt.

SZ-Magazin:
Sie wurden von den Fans bestürmt.

Pär Sundberg:
Wenn ich Samstag von den Dreharbeiten nach Hause kam, klingelte bei uns sofort das Telefon - lauter zehnjährige Mädchen, die sich mit mir treffen sollten.

Maria Persson:
Wir haben Tausende von Briefen aus aller Welt bekommen. Viele waren einfach adressiert an "Annika, Schweden".

Pär Sundberg:
öffentliche Werbeauftritte mussten wir auch absolvieren, einmal zum Beispiel im größten Kaufhaus von Stockholm. Zu diesem Zweck wurde die ganze Straße abgesperrt. Wir hatten unsere Filmkostüme an und ritten zu dritt auf dem Pferd ins Kaufhaus hinein. Die Fans kreischten wir verrückt, wie damals bei den Beatles.

Maria Persson:
Auch Jahre nach dem letzten Film haben wir noch solche Auftritte gemacht. In Holland zum Beispiel flogen wir im Hubschrauber von Stadt zu Stadt und wurden jedes Mal von mehreren tausend Leuten empfangen. Wir ritten an jubelnden Menschenmengen vorbei und mussten ständig Autogramme geben. Es war wirklich ein Riesenhype.

Pär Sundberg:
Diese Promotion-Jobs waren übrigens die letzten gemeinsamen Aktivitäten von uns dreien. Danach haben wir uns aus den Augen verloren. Wir sind wie Bruder und Schwester aufgewachsen, dann hieß es plötzlich: "Und tschüs!" Das passte nicht.

Maria Persson:
Wir waren einfach zu jung, Pär.

SZ-Magazin:
Die Filme, die Fans, die Berühmtheit - ist Ihnen das nicht zu Kopf gestiegen?

Pär Sundberg:
Sicher. Wir hatten ein sehr seltsames Leben: Wir waren noch Kinder und waren doch nicht wie Kinder. Wir sind definitiv schneller und anders aufgewachsen, mit der Folge, dass wir ziemlich komische Typen geworden sind, Leute, die kein Durchschnittsleben führen können.

SZ-Magazin:
Wie meinen Sie das?

Maria Persson:
Ich bin nicht verheiratet, Pär ist nicht verheiratet, Inger ist nicht verheiratet. Ich bin die Einzige, die ein Kind hat.

SZ-Magazin:
Na und? Was hat das mit der Schauspielerei zu tun?

Pär Sundberg:
Durch die frühe Trennung von der Familie haben wir sehr schnell gelernt, selbständig zu sein. Die viele Aufmerksamkeit, die Tatsache, dass wir immer im Mittelpunkt standen, hat andererseits dazu geführt, dass wir leicht die Bodenhaftung verlieren. Wir sind alle sehr starke Persönlichkeiten geworden, individualistisch und selbstbezogen - und nicht gerade gut darin, andere Menschen zu akzeptieren. Eine Folge davon ist die Einsamkeit.

SZ-Magazin:
Trotz der vielen Fans und der anderen Leute, die Sie kennen lernen wollten?

Pär Sundberg:
Mit 14, 15 ist mir das total auf die Nerven gegangen. Dann habe ich meine Vorteile bei den Frauen ausgenutzt - ich müsste lügen, wenn ich das bestreiten wollte. Es gab Frauen, die mich heiraten wollten, aber ich wollte mich nicht binden.

SZ-Magazin:
Hat Pippi heute noch Einfluss auf Ihre Leben?

Maria Persson:
Ohne Pippi wäre ich verheiratet und hätte fünf Kinder!

Pär Sundberg:
Es lässt uns nicht los, es wir uns nie loslassen. Das Ganze ist ewig her, wir haben danach nie wieder geschauspielert - wir sind nur Ex-Irgendwas. Aber die Geschichte ist immer noch präsent, bei den Leuten ebenso wie bei uns selbst. Warum sonst würden wir uns denn heute unterhalten?

Maria Persson:
Hier in Spanien läuft die alte Serie regelmäßig im Fernsehen. Mein Sohn verpasst keine Folge. Aber anderen Leuten erzähle ich nie, dass ich die Annika war. Und trotzdem kommt es immer raus. Wenn du irgendwo zu arbeiten anfängst, erfährt es durch irgendeinen Zufall jemand - und nach ein paar Tagen weiß es jeder.

Pär Sundberg:
Erst letzte Woche bin ich in einem Restaurant von der Kellnerin angesprochen worden: "Sind Sie der ... ist das wirklich wahr ... habe alle Filme gesehen ..." Es ist immer dasselbe. Es kommt immer raus. Jetzt ist das in Ordnung, aber früher war das ein Problem für mich.

Maria Persson:
Für mich ist es eher ein Problem, dass alle Leute denken, dass ich sehr reich sei. Die Wahrheit ist: Die Filmfirma hat das ganz große Geld gemacht und macht es immer noch. Aber wir bekommen davon keine einzige Krone.

SZ-Magazin:
Sind Sie wenigstens damals angemessen bezahlt worden?

Pär Sundberg:
Ganz und gar nicht. Wir waren die Stars, doch wir wurden mit einem lächerlichen Taschengeld abgespeist. Nach dem Erfolg des ersten Films haben unsere Väter deshalb versucht, höhere Gagen auszuhandeln.

Maria Persson:
Und wissen Sie, was passiert ist? Die Firma hat gedroht, uns gegen andere Kinder auszutauschen! Also machten wir weiter. Manchmal denke ich, wir sollten einen Anwalt einschalten oder zumindest den Leuten erzählen, wie man uns betrogen hat. Aber in Schweden ist es verpönt, über Geld zu reden - es muss reichen, berühmt zu sein. Doch wenn man 42 ist, reicht das nicht mehr.

SZ-Magazin:
Warum ist Pippi Langstrumpf immer noch so beliebt?

Maria Persson:
Pippi macht sich über Eltern, Lehrer und Polizisten lustig - praktisch über alle Erwachsenen und Autoritäten. Das kommt an, obwohl die Filme technisch gesehen mittlerweile ziemlich veraltet sind.

Pär Sundberg:
Ja, das ist das große Verdienst von Astrid Lindgren: Sie hat positive Helden und Heldinnen geschaffen, die ihr eigenes Ding machen. So lernen Kinder, Situationen zu hinterfragen, eigenständig zu denken und ihr Leben irgendwann selbst in die Hand zu nehmen.

SZ-Magazin:
Haben Sie Frau Lindgren damals persönlich kennen gelernt?

Maria Persson:
Oh ja! Sie war genauso, wie man sie sich vorstellt. Ein toller Mensch, sehr warmherzig und sehr nett zu uns Kindern.

Pär Sundberg:
Vor ein paar Jahren habe ich sie wieder getroffen. Irgendeine Sondersendung im Fernsehen, Inger war auch da. Das war übrigens so ein Moment, Maria, wo alle nach dir gefragt haben - und keiner die leiseste Ahnung hatte, wo du steckst.

Maria Persson:
Nun, jetzt ist das Geheimnis gelüftet.

Pär Sundberg:
Ja, und das wird eine Menge Leute interessieren.

Maria Persson:
Wieso? Wen denn?

Pär Sundberg:
Pass mal auf, was bei dieser Sendung passierte. Inger erzählte irgendwann, dass sie gerade in Malmö Theater spielen würde. Der Moderator sagte: "In Malmö? Herr Sundberg wohnt doch in Malmö! Dann können Sie sich ja treffen."  Ich sagte ja, warum nicht, und so haben wir uns vor laufender Kamera verabredet. Ich hatte allerdings vergessen, dass ich am selben Abend schon eine andere Verabredung hatte, so ließ ich das Treffen mit Inger platzen. Ich bekam also Besuch, wir saßen in meiner Wohnung - und gegen neun begann das Telefon zu klingeln: "Hier ist die Zeitung X, wir wollten nur mal fragen ..." "Hier ist Zeitung Y, wir haben gehört ..." Der Apparat stand den ganzen Abend nicht mehr still - als ob das Treffen zwischen Inger und mir eine Staatsaffäre wäre.

SZ-Magazin:
Heute sind Sie dagegen völlig ungestört.

Maria Persson:
So? Aber Sie sind doch noch da!

 

© Süddeutsche Zeitung (Magazin vom 06. Juli 2001)
Ein Interview von Anita Blasberg und Johannes Waechter




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